Archiv

Seit Gründung von IBIS e.V. vor über 25 Jahren, wurden so einige Projekte und Veranstaltungen durchgeführt.  In diesem Archiv finden Sie eine Auswahl vergangener Veranstaltungen und Projekte der unterschiedlichen Tätigkeitsfelder des Vereins. Eine genauere Übersicht der Jahre 2017-2020 finden Sie in der Broschüre „Kulturelle und bildungspolitische Veranstaltungen 2017-2020“.

Hier finden Sie:

Jam-Sessions

Die „Jam-Session“ bei IBIS e.V. vereint viele verschiedene Musikrichtungen, Instrumente und Gesänge. Die Jam-Session ist für alle da – für Anfänger_innen und Fortgeschritte.
Du kannst improvisieren, experimentieren und Musikspiele spielen. Also pack deine Instrumente und Songtexte ein und komm vorbei, um Musik zu machen! Du kannst auch einfach zum Zuhören kommen.
Der Eintritt ist frei, und Getränke gibt es im Café-IBIS. Wir freuen uns auf dich!
Wegen der Pandemie sind keine neuen Termine geplant. Sobald es wieder los geht, werden wir dies hier und in unserem Kalender ankündigen.

Mobile Beratung Niedersachsen gegen Rechtsextremismus für Demokratie

Regionalbüro Nord/West

Mobile Beratung

Aufgrund einer Umstrukturierung der Mobilen Beratung Niedersachsen gegen Rechtsextremismus für Demokratie ist die Mobile Beratung Nord/West ab dem 01.01.2020 beim Weser Aller Bündnis (WABE e.V.) angesiedelt. Weitere Informationen finden Sie unter www.mbt-niedersachsen.de.

Das Regionalbüro Nord/West mit den bisherigen Mitarbeitern erreichen Sie per Mail unter nordwest@mbt-niedersachsen.de oder unter der Mobilfunknummer 01573 288 359.

MEINE GESCHICHTE, DEINE GESCHICHTE, UNSERE GESCHICHTE

Flucht, Migration, Shoah – Ein Projekt des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“

Das Projekt

In dem Projekt arbeiten junge Menschen mit Fluchterfahrung ihre persönliche Geschichte unter Einbezug der deutschen Vergangenheit auf – mit dem Ziel ein eigenes Theaterstück daraus zu entwickeln. Die jungen Geflüchteten treffen sich regelmäßig und tauschen sich über ihre Fluchtgeschichte aus. Unter Anleitung einer Theaterpädagogin, Referent_innen für politische Bildung und Multipliaktor_innen aus der vorangegangen Projektphase setzten sie sich intensiv mit ihrer eigenen als auch mit jüdischen Biographien auseinander. Insbesondere werden die Fluchterfahrungen der Anne Frank und die Geschichte des Antisemitismus, unter Einbezug des Nahostkonflikts, in Workshops zur historisch-politischen Bildungen thematisiert. Dabei sollen Vorurteile abgebaut werden und ein  interreligiöser Dialog soll entstehen.

Auf dieser Grundlage aufbauend wird ein Theaterstück mit autobiographischen Zügen der Teilnehmer_innen geschrieben. Das Schauspiel wurde bei IBIS e.V. gezeigt und konnte von Schulen und interessierten Kultureinrichtungen gebucht werden.

Projektziele

Das Projekt geht von der Prämisse aus, dass einige arabische Jugendliche aufgrund des Nahostkonfliktes durch Schule, Elternhaus und Medien früh in Kontakt mit antisemitischem Gedankengut gekommen sind und sich vieles davon im Laufe ihres Heranwachsens zu eigen gemacht haben könnten.

Häufig leben sie im Alltag relativ isoliert oder vorwiegend in einer begrenzten Community. In dem Projekt sollen sie durch den regelmäßigen Austausch mit anderen ihre politische Urteilsfähigkeit stärken, Vorurteile als solche erkennen und Überzeugungen, die bisher unhinterfragt waren, im Dialog mit anderen überprüfen. Die durch das Projektkonzept angeregten Gespräche sollen indirekt auch dazu dienen, ihre eigenen, oft schmerzhaften Flucht- und Diskriminierungserfahrungen zu verarbeiten.

Am Ende der Projektlaufzeit soll ein Abbau der Vorurteile und der antisemitischen Einstellungsmuster erkennbar sein, einhergehend mit einer differenzierten Betrachtung des Nahostkonfliktes und historischer Entwicklungen.

Die Erfahrungen, die im Laufe des Projektes gesammelt werden, werden in einer Broschüre und mit Videobeiträgen dokumentiert und professionell evaluiert.

Handlungsschritte

Zunächst finden sich die teilnehmenden Jugendlichen schrittweise als Gruppe zusammen – anfangs in relativ unverbindlichen Freizeitaktivitäten und Gedankenaustausch-Gruppen, die das Kennenlernen und  den Aufbau von Vertrauen fördern sollen.

In einem ersten Workshop werden Raum und Begleitung geboten, um von den eigenen Fluchterfahrungen zu erzählen und vorsichtig die schwierigen Etappen der eigenen Biografie aufzuarbeiten. Dann wird inhaltlich übergeleitet zur Beschäftigung mit jüdischen Biografien, in denen es ebenfalls um Fluchterfahrungen geht.

Anschließend wird eine Fahrt in das ehemalige Konzentrationslager Bergen Belsen vorbereitet, ebenfalls verbunden mit Biografiearbeit. Danach findet ein Workshop zur Aufarbeitung der Eindrücke dieser Fahrt statt.

Es folgen zwei weitere Workshops zur historisch-politischen Bildung:

1) Geschichte des Antisemitismus von der Antike bis zum Nationalsozialismus

2) Staatsgründung Israels, moderner Antisemitismus und Nahostkonflikt.

Daran anschließend folgt eine intensive Theaterphase, in der bei regelmäßigen wöchentlichen Proben und auf dem Hintergrund der bis dahin gemachten Erfahrungen ein eigenes Theaterstück entwickelt wird, fachkundig angeleitet von einer Theaterpädagogin.

Ergebnisse

Im Dezember 2019 haben wir dieses Projekt beendet und zum Abschluß eine digitale Broschüre erstellt, die Sie hier kostenfrei herunterladen können.

In dieser Broschüre reflektieren wir unsere Herangehensweise, inklusive aller Erfolge und Lösungen, aber auch aller Irrtümer und Stolpersteine.

Vielleicht sind unsere Beschreibungen und Tipps hilfreich für Sie und andere, die ähnliche Projekte planen. Das würde uns freuen, genauso wie der Hinweis auf unsere Arbeit, wenn sie Ihnen gefallen hat.

Das beschriebene Projekt war das erste dieser Art in Niedersachsen und wurde mit Unterstützung des Förderprogramms „Demokratie leben“ durchgeführt.

Für weitere Informationen: www.bmfsfj.de und www.demokratie-leben.de

demokratie-leben

Heimat ist kein Land

Das erste Theaterstück, das im Rahmen von „Meine Geschichte, deine Geschichte, unsere Geschichte“ entstanden ist.

„Woher kommst du? Zeig mir deinen Pass? Du kannst hier nicht bleiben!“ – Was ist aber wenn du nirgendswo mehr bleiben kannst und es keinen Ort gibt, an dem du dich sicher fühlst? In dem Stück Heimat ist kein Land setzen sich 14 junge Menschen mit Fluchterfahrung mit diesen Fragen auseinander. In teilweise autobiographischen Szenen wird nicht nur die Flucht der jungen Menschen dargestellt, sondern auch der Verlust von Identität, Zugehörigkeitsgefühle und Menschenrechte wird thematisiert. Auf dieser beschwerlichen Reise erscheinen den Geflüchteten in traumartigen Szenen die Schwestern Anne und Margot Frank, die sie begleiten und sie ermutigen ihre Hoffnungen und Wünsche zu äußern und an diese zu glauben.

In dem Theaterstück teilen junge Menschen mit Fluchterfahrung ihre Erlebnisse selbstbestimmt mit dem Publikum und verleihen ihren Gefühlen in kreativer Weise Ausdruck.

Probenbilder: “Heimat ist kein Land”

Alamishkal- 1/2 erleuchtet

Das zweite Theaterstück, das im Rahmen von „Meine Geschichte, deine Geschichte, unsere Geschichte“ entstanden ist.

„Niemand weiß hier, wer ich bin.“ – Was macht es mit einem Menschen, vorgeben zu müssen, jemand anderer zu sein? Weder in der alten noch in der neuen Heimat so sein zu können, wie man ist, da sonst Verfolgung, Gewalt oder Ausgrenzung droht?

Basierend auf Auszügen aus dem Essay „Wir Flüchtlinge“ von Hannah Arendt und auf teilweise autobiografischen Szenen, setzen sich in dem Theaterstück ALMISHKAL – ½ ERLEUCHTET 13 junge Menschen mit Fluchterfahrung mit dieser Frage auseinander. „Almishkal“, arabisch für Kaleidoskop, zeigt den Zuschauer_innen, dass eine Geschichte aus vielen einzelnen Details besteht, die immer wieder neu betrachtet werden können und die je nach Blickwinkel und Dreh, wie bei einem Kaleidoskop, neue Sichtweisen eröffnen

Inqilab- Aufbruch

Das dritte Theaterstück, das im Rahmen von „Meine Geschichte, deine Geschichte, unsere Geschichte“ entstanden ist.

„Es braucht nur ein einziges Streichholz und alles wird hier in die Luft fliegen. Zünden wir dieses Streichholz an! FREIHEIT! JETZT!“

Irgendwo im Nahen Osten, 2011.

Zu Beginn des Arabischen Frühlings lebt der junge Blogger Jared mit seinem älteren Bruder Lunis in einem totalitären Staat. Mit Zehntausenden demonstriert er gegen die Zustände in seinem Land. Für ihn und seine Freunde ist es ein Aufbruch in Demokratie und Freiheit, für ihre Gegner ein Angriff auf die bestehende Ordnung.

Ein Konflikt, der nicht nur auf der Straße, sondern auch über Generationen in Jareds Familie besteht. Lunis, der hart arbeitet und das traditionelle Leben ehrt, kann seinen rebellierenden Bruder nicht verstehen. Die Werte, für die Jared kämpft, stürzen Lunis in ein moralisches Dilemma, und Jareds ständige Anfeindungen gegenüber dem jüdischen Nachbarsjungen Elia verstärken den Konflikt.

  • Ein Konflikt, viele Schicksale – ihnen allen ist die Hoffnung auf Veränderung und ein selbstbestimmtes Leben in Frieden und Gerechtigkeit gemein.

Muttersprachliche Elternkurse 


Kapazität, Struktur und Qualität: Meilensteine eines ganzheitlichen Konzepts (KaSQu) 

 

Seit Juni 2015 arbeiten IBIS e. V. und 12 weitere Partner zusammen mit der BAfF an einem dreijährigen Projekt, das bundesweit eine ganzheitliche Weiterentwicklung der Behandlungsangebote zum Ziel hat, diese qualitativ und strukturell verbessern und sie zahlenmäßig ausbauen will. 

Hintergrund des Projektes ist, die Lücke der aktuell geringen Verfügbarkeit passender Behandlungsangebote für Geflüchtete, der eingeschränkten Zugänglichkeit zur Regelversorgung und die oftmals fehlende Expertise in der spezialisierten Behandlung u.a. in Zusammenarbeit mit DolmetscherInnen anzugehen und zu füllen.

Seit dem 20. Juli 2015 verpflichtet sich die BRD durch die Umsetzung der EU-Aufnahmerichtlinie, die speziellen Bedürfnisse schutzbedürftiger Asylsuchender zu identifizieren und ihnen die erforderliche Unterstützung zu gewähren. Diese Unterstützung muss bedarfsgerechte Angebote in angemessener Qualität gewähren, die verfügbar, zugänglich, erreichbar und ethisch angemessen sind.

An diesen Punkten setzt das Projekt mit der Umsetzung des übergeordneten Ziels der Weiterentwicklung psychosozialer Versorgung in Richtung bedarfsgerechter, ganzheitlicher Behandlungsangebote an.

Das Projekt wird gefördert von:


IBIS e. V. ist Kooperationspartner im

Erasmus+ European Training Program 2017/18

„NEW ERA – Expertises for Workers in European Refugees Assistance“ 

Dieses Programm richtet sich als Weiterbildung an Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich mit  Flüchtlingen arbeiten. Teilnehmer_innen können sich während mehrerer Weiterbildungsseminare im Zeitraum 2017-18 in verschiedenen europäischen Ländern sowie einem begleitenden E-Learning-Unterricht weiterqualifizieren. Dazu gehören beispielsweise die Themen europäische Flüchtlingspolitik oder Flüchtlingssozialarbeit. Als Projektpartner ist IBIS e.V. aktiv an der Umsetzung und Organisation des Projekts beteiligt. 

Das ERASMUS+ Projekt ist eine Kooperation von Flüchtlingsorganisationen in Italien, Spanien, Rumänien, Deutschland, Serbien und Großbritannien. Das NEW ERA Trainingsprogramm wird mit Mitteln von Erasmus+ sowie dem EU-Programm zur Förderung von allgemeiner und beruflicher Bildung, Jugend und Sport in Europa finanziert. Erasmus+ ermöglicht es Europäer_innen im Ausland zu studieren, sich weiterzubilden, Berufserfahrung zu sammeln oder Freiwilligenarbeit zu leisten. 

Projektkoordination bei IBIS: Juliane Samide 

Kontakt: Tel. 0441 920582 50 

Email: veranstaltung@ibis-ev.de

 


 

 

Projekt Arrival City Oldenburg

BIS e.V. ist Mitbegründer und Kooperationspartner in der lokalen Arbeitsgruppe Arrival City der Stadt Oldenburg, die zu einem Netzwerk aus europäischen Städten gehört und im Rahmen des URBACT-Programms gefördert wird. Es wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie die 28 EU-Mitgliedsstaaten, Norwegen und die Schweiz finanziert. Hauptziel ist die Förderung einer integrierten, nachhaltigen Stadtentwicklung. 

Begleitet durch einen internationalen Austausch mit europäischen Städten, arbeitet die AG Arrival City daran, wie Zuwanderung und Integration in Oldenburg verbessert werden kann. Ziel ist die Entwicklung eines neuen Integrationskonzeptes für die Stadt, mit der eine interkulturelle Gemeinschaft, ein Klima aus gegenseitiger Toleranz und Akzeptanz vorangebracht werden kann. Außerdem soll das Konzept konkrete Maßnahmen enthalten, mit dem wichtigen Herausforderungen, wie der Sprachförderung begegnet werden kann. Die AG Arrival City initiiert einen breiten Bürgerbeteiligungsprozess und vertritt Oldenburg im internationalen Austausch mit den Partnerstädten. Die Berücksichtigung der Bedürfnisse von Flüchtlingen wie die Versorgung mit Wohnraum oder Integration in den Arbeitsmarkt steht für IBIS e.V. bei der Ausarbeitung eines neuen Integrationskonzeptes besonders im Vordergrund

Zum Netzwerk Arrival Cities gehören die Städte: 

  • Amadora (Portugal) 
  • Riga (Lettland) 
  • Roquetas de Mar (Spanien) 
  • Val de Marne (Frankreich) 
  • Vantaa (Finnland) 
  • Thessaloniki (Griechenland) 
  • Messina (Italien) 
  • Oldenburg (Deutschland) 
  • Technische Universität Dresden (Deutschland) 

Weitere Informationen zur AG Arrival City gibt es auf der Homepage der Stadt Oldenburg

Ansprechperson für das Projekt bei IBIS e.V. ist Juliane Samide. 

Kontakt: Tel. 0441 920582 50  Email: veranstaltung@ibis-ev.de

 


Interview mit Dr. Jens Ilse (IBIS) und Dr. Natalia Petrillio 

(Stabsstelle Integration Stadt Oldenburg) 

24. Oktober 2016

„Es wurde bereits ein Wandel in der Stadt angestoßen“ 

Interview mit Dr. Natalia Petrillo und Dr. Jens Ilse aus Oldenburg zum URBACT-Netzwerk „ARRIVAL CITIES“ 

Wie können Städte Zuwanderung und Integration besser organisieren? Darum geht es beim URBACT-Netzwerk ARRIVAL CITIES. Der Schwerpunkt liegt darauf, wie Integration in den Kommunen langfristig sichergestellt werden kann: Wie gelingt es den Städten, eine Gemeinschaft zu entwickeln, in der gegenseitige Toleranz und Akzeptanz gelebt werden? Dr. Natalia Petrillo ist Integrationsbeauftragte der Stadt Oldenburg, die als Netzwerkpartner an ARRIVAL CITIES teilnimmt. Dr. Jens Ilse, Bildungsreferent bei IBIS (Interkulturelle Arbeitsstelle für Forschung, Dokumentation, Bildung und Beratung e.V.) ist Mitglied der Lokalen URBACT Gruppe, die in Oldenburg im Rahmen von ARRIVAL CITIES eingerichtet wurde. Beide berichten im Interview, mit welchen Herausforderungen ihre Stadt im Bereich Integration zu kämpfen hat und was sie sich von der Teilnahme an ARRIVAL CITIES erwarten. 

Was sind die lokalen Herausforderungen, mit denen die Stadt Oldenburg im Rahmen von ARRIVAL CITIES umgehen will? 

Petrillo: Wir möchten die bestehende Integrationsarbeit fortführen und Oldenburg als eine weltoffene Stadt weiterentwickeln – eine Stadt, in der sich alle gegenseitig respektieren und das Anderssein seinen Platz findet. In Schlagworten gesagt, geht es um Integration, Migration und gesellschaftlichen Zusammenhalt mit einem Schwerpunkt auf Flüchtlingsintegration. Unser jetziges Integrationskonzept ist von 2010 und soll an die aktuellen Herausforderungen angepasst werden. Deshalb wollen wir konkrete, umsetzbare Maßnahmen entwickeln, wie Oldenburg eine Stadt für alle werden kann. Zudem ist eine Problemanalyse in Form eines Integrations-Monitorings in verschiedenen Themenfeldern geplant. Wichtig sind uns auch Indikatoren, um Integrationserfolg und -bedarfe sichtbar zu machen. Mit ARRIVAL CITIES wollen wir einen partizipativen Prozess anstoßen, indem wir gemeinsam mit der Stadtverwaltung, der Politik aber auch der Zivilgesellschaft das Integrationskonzept auf den neusten Stand bringen. 

Ilse: Ziel ist auch, dass die Bevölkerung die Integrationsbestrebungen weiterhin mitträgt und die Flüchtlinge als Nachbarn akzeptiert. Zudem ist die Flüchtlingsthematik momentan ein drängendes Problem: Es fehlt noch immer an Wohnraum, Geld, Arbeit und psychosozialer Beratung für die Menschen. Deshalb ist es wirklich gut, wenn die Stadt, neben ihren bisherigen Bemühungen, die Flüchtlingsdebatte öffnet.

Wer ist Mitglied in Ihrer Lokalen URBACT-Gruppe (ULG) und welche Maßnahmen haben Sie bislang umgesetzt?

Ilse: Die ULG wurde Anfang 2016 gegründet und wir treffen uns regelmäßig. Bislang sind wir sechs Partner: Eine Gesamtschule, das Yezidische Forum, das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft, die interkulturelle Arbeitsstelle IBIS, bei der ich arbeite, die Stadt Oldenburg und ein Stadtteiltreff. Am 12. September 2016 gab es in Oldenburg ein Auftakttreffen mit den Bürgern für die Erarbeitung unseres neuen Integrationskonzeptes. Im Rahmen dessen wurde die Lokale Gruppe dann noch erweitert. Außerdem ist es geplant, innerhalb der ULG vier Unterarbeitsgruppen zu den Themen „Integration und Arbeitsmarkt“, „Sprache“, „Wohnen“ und „Interkulturelles Lernen/Schule“ zu etablieren. Möglich wären auch weitere AGs, z. B. zu Gesundheit oder Kultur. 

Petrillo: Die Mitglieder der ULG haben vorher nicht in dieser Form zusammengearbeitet, einige kooperierten aber bereits miteinander. Am Anfang standen wir unter großem Zeitdruck. Deshalb ist die Gruppe jetzt auch noch relativ klein. Angestrebt ist es allerdings, noch weitere Institutionen ins Boot zu holen. 

Was sind die nächsten geplanten Maßnahmen? 

etrillo: Wir wollen eine Lenkungsgruppe für die ULG bilden und innerhalb der Unter-AGs verschiedene Workshops durchführen. Es ist auch eine externe Begleitung und Moderation der Lokalen URBACT-Gruppe durch die Bertelsmann Stiftung geplant, um den Prozess professionell zu gestalten. Da bietet sich die Bertelsmann Stiftung an, denn Oldenburg ist auch eine Pilotkommune bei deren Projekt „Ankommen in Deutschland“. Im Rahmen dessen wird unter anderem ein „Modulkoffer“ für Kommunen und Gemeinden zu verschiedenen Themen der Integration entwickelt. Dazu trägt die Stadt Oldenburg aktiv bei. Zudem können wir auch von guten Praxisbeispielen anderer beteiligter Kommunen etwas lernen. 

Gibt es schon Ergebnisse Ihrer bisherigen Arbeit im Rahmen von URBACT? 

Ilse: Wir haben den Eindruck, dass das ARRIVAL CITIES-Projekt bereits jetzt in unserer Stadt einen Wandel bewirkt. Die ULG bringt Akteure und Gruppen an einen Tisch, die vorher kaum mit ihren Perspektiven in einen Dialog getreten sind, um gemeinsam über Willkommenskultur und neue Konzepte nachzudenken. Und die beteiligten Bürger können etwas weiterentwickeln, was sie wirklich aus Eigeninitiative machen. 

Petrillo: Ja, viele aktive Bürgerinnen und Bürgern begrüßen diese Initiative und möchten sich einbringen. Das freut uns sehr und motiviert uns, diesen Prozess gemeinsam mit der breiten Öffentlichkeit voranzubringen. 

Quelle: URBACT

 

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