Koordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus veröffentlicht Jahresbericht 2025

Koordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus veröffentlicht Jahresbericht 2025

Oldenburg, 8. Mai 2026 | Die Koordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (KoRex) von IBIS e.V. hat am Jahrestag der Befreiung vom Faschismus ihren ersten Jahresbericht veröffentlicht. Die Bilanz zeigt: rechtsextreme, islamistische und gruppenbezogenmenschenfeindliche Vorfälle sind in Oldenburg deutlich präsenter, als es die öffentliche Berichterstattung vermuten lässt. KoRex appelliert an Politik und Verwaltung, demokratische Strukturen, Prävention und den Schutz Betroffener nachhaltig zu stärken.

Das Monitoring erfasst Vorfälle im Bereich Rechtsextremismus, Islamismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, die einen direkten Bezug zur Stadt Oldenburg haben. Auch wenn das Monitoring sich 2025 noch im Aufbau befand, wurden bereits 144 Vorfälle erfasst: 108 Direktmeldungen an KoRex und 36 eigenständig recherchierte Fälle. Nur rund 15 Prozent dieser Vorfälle waren öffentlich bekannt – 85 Prozent wären ohne das Monitoring unsichtbar geblieben.

66 Vorfälle stehen mit dem rechtsextremen Spektrum in Verbindung. Zu ihnen zählt u. a. die Verbreitung von queerfeindlichen Inhalten und „Remigrations“-Propaganda online und im Straßenbild, neonazistische Sticker im Umfeld von Schulen oder etwa die Meldung eines rechtsextremen Übergriffs bei der Demonstration „Gerechtigkeit für Lorenz“ im November 2025.

Im islamistischen Spektrum dokumentierte KoRex u. a. das Auftreten von Personen aus salafistischen und schiitisch-islamistischen Kontexten bei Demonstrationen sowie antisemitische Aufkleber mit Hamas-Symbolik.Am häufigsten gemeldet wurden Rassismus, Antisemitismus und Queerfeindlichkeit; größte Betroffenengruppen waren Jüdinnen und Juden sowie Migrant_innen und Asylsuchende. Mindestens drei Personen haben Oldenburg 2025 nach rassistischen, muslimfeindlichen, frauen- oder queerfeindlichen Bedrohungen verlassen.

Dr. Barbara Peron sprach sich diese Woche im Integrationsausschuss für verschiedene erste Maßnahmen aus: „Wir bekommen wöchentlich zwei bis drei Anfragen für Fortbildungen und Workshops, unter anderem von Lehrkräften und Sozialarbeiter_innen. Es gibt einen großen Bedarf an dauerhaft geförderten, niedrigschwelligen Sensibilisierungs-, Bildungs- und Empowerment-Angeboten für Schulen, aber auch für spezifische Berufsgruppen. Ganz zentral sind aus unserer Sicht früh ansetzende Präventionsmaßnahmen.“

Weitere Handlungsempfehlung war der Schutz eines demokratischen Diskurses im digitalen Raum: lokale Medien sollten klare Kriterien für Moderation oder Schließung von Kommentarspalten bei sensiblen Themen nutzen. Trotz großen Engagements in der Zivilgesellschaft bedarf es an städtischer Unterstützung, wenn es um das Entfernen von menschenverachtenden Aufklebern und Schmierereien in der Stadt geht.

Mit aktuell nur 25 Wochenstunden stößt KoRex strukturell an Grenzen: Wöchentlich erreichen die Stelle zwei bis drei Anfragen für Workshops oder Argumentationstrainings, von diesen konnten nur 5 % bedient werden. Mit wachsender Bekanntheit ist 2026 sowohl eine anhaltend hohe Nachfrage nach Bildungsformaten als auch ein deutlicher Anstieg eingehender Meldungen rechtsextremer, islamistischer und gruppenbezogenmenschenfeindlicher Vorfälle zu erwarten.

KoRex wird von der Stadt Oldenburg gefördert und ist seit 2025 bei IBIS e.V. angesiedelt. Sie hat in diesem ersten Jahr u. a. eine Monitoringstruktur aufgebaut, sich mit Oldenburger Bündnissen und Akteur_innen, die sich für Menschenrechte und Demokratie einsetzen, vernetzt sowie Bildungsformate und Verweisberatung angeboten.

Der Jahresbericht ist hier abrufbar. Über das Meldeformular können Vorfälle gemeldet werden.

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