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Rückblick Fishbowl- Diskussion „Ehrenamt als Teil der Willkommenskultur“ – Lob, Anregungen und Kritik zur Ehrenamtsarbeit

„Was läuft gut, was könnte in Oldenburg noch besser laufen in der ehrenamtlichen Arbeit für Flüchtlinge?“ – das ist die Fragestellung, um die es am Dienstag, den 30.5.2017, einen Abend lang im IBIS-Café an der Klävemannstraße ging. Dort  trafen sich Ehrenamtliche, Hauptamtliche und alle, die dieses Thema  interessiert.

Nach dem Prinzip der sogenannten „Fishbowl-Diskussion“ konnten sich  alle Anwesenden bei Bedarf spontan in das Gespräch einmischen. Wer etwas fragen oder mitteilen wollte, konnte dies jederzeit während der Diskussion tun.

Auf dem Podium saßen an diesem Abend Nils Paderg von der städtischen „Stabsstelle Integration“, Claudia Wronna von der „Agentur Ehrensache“, Javed Rahimy, der 2014 nach Oldenburg geflohen ist, sowie Cornelia Roth und Claudia Jesse, die ausgebildete Integrationslotsinnen sind.

Die Runde wurde durch Klaus Fehrlage eingeläutet, einem ehrenamtlichen Helfer der ersten Stunde, der die Zeit seit Herbst 2015 Revue passieren ließ und über die „Flüchtlingshilfe Oldenburg“ berichtete – eine Gruppe von Ehrenamtlichen,  die sich 2015 gründete und an IBIS e.V. angeschlossen ist. Bis heute treffen sich in regelmäßigen Abständen engagierte Oldenburger_innen bei IBIS e.V., um Neuangekommenen zu helfen und um sie bei ihren ersten Schritten in der Stadt zu unterstützen.

Die „Flüchtlingshilfe Oldenburg“, die aus über 125 Helfer_innen und ca. 60 Integrationslots_innen besteht, arbeitet gerade an einem Online-Infoportal, das die wichtigsten Fragen zu ehrenamtlichen Arbeit  mit Geflüchteten beantworten und Auskunft über die Handlungsfelder und  -möglichkeiten von Helfer_innen geben soll.

Nach dem Informationsaustausch konnten die Ehrenamtlichen benennen, was ihnen am Herzen liegt und wo sie noch Stolpersteine in ihrer Arbeit sehen. Insbesondere kritisierten einige der anwesenden Ehrenamtlichen die für sie nicht deutlich genug wahrnehmbare Unterstützung der Stadt bei der Wohnungssuche für die Geflüchteten. Dadurch wird die ehrenamtliche Tätigkeit oftmals zu einem Teilzeit-Job, so Jesse, die eine Familie aus Afrika betreut. Dies ist ein Problem, das viele Helfer_innen kennen, da die Geflüchteten aufgefordert wurden, die Sammelunterkünfte zeitnah zu verlassen, zugleich aber bezahlbarer Wohnraum in Oldenburg rar ist. So beklagen viele Unterstützer_innen, dass kaum Wohnungen für Alleinstehende als auch für große Familien zur Verfügung. Die Stadt sucht händeringend nach Lösungen für das Problem und verweist die Geflüchteten und ihre Helfer_innen an das „Auszugsmanagement“ der Stadt Oldenburg, das in der Bloherfelder Str. 39 angesiedelt ist.

Den 30 Besucher_innen des Abends reicht das nicht. Sie verlangen mehr Unterstützung und schlugen vor, dass Anreize für Vermieter_innen geschaffen werden müssten, um die vorhandenen Wohnungen dem Bedarf entsprechend umzubauen. „Es ist keine Lösung, geflohenen Menschen, die mit der Zeit ihr soziales Umfeld in Oldenburg gefunden haben, eine Wohnung in Wilhelmshaven oder sogar in Goslar zur Verfügung zu stellen, wie es derzeit von der Stadt praktiziert wird“.

Weiterhin kam die Frage nach der Umgestaltung von Sammelunterkünften auf. Da allerdings die Stadt die sogenannten KGUs oftmals nur angemietet hat, ist dies keine Möglichkeit, mehr Wohnraum zu schaffen. Lediglich die Unterkunft an der Gaußstraße wird so umgebaut, dass die Geflüchteten mehr Privatsphäre durch Einzelzimmer erhalten.

Jedoch wurde an diesem Abend nicht nur Kritik geäußert, sondern auch Lob ausgesprochen. Claudia Wronna hob die ehrenamtliche Arbeit besonders hervor und lobte die Hilfsbereitschaft der Oldenburger_innen.  Es werden aber immer noch Menschen gesucht, die sich ehrenamtlich engagieren, so Wronna weiter. Alle denjenigen, die Interesse daran haben, Neuangekommene vor Ort zu unterstützen, wurde der Integrationslots_innenkurs empfohlen, der sich in der Praxis als sehr hilfreich und nützlich erwiesen hat. Die Kurse werden sowohl von IBIS e.V. als auch von der Stadt Oldenburg angeboten und umfassen jeweils 50 Unterrichtsstunden, in denen die Teilnehmenden zu zertifizierten Lots_innen ausgebildet werden.

Alle anwesenden Ehrenamtlichen äußerten sich, trotz der vorhandenen Hürden, ausschließlich positiv über ihre freiwillige Tätigkeit. So empfinden viele ihre Unterstützung für Geflüchtete nicht als Arbeit, sondern als eine bereichernde Erfahrung, bei der sie neue Menschen kennenlernen und gemeinsam etwas bewirken können.

 

Foto: v.l.n.r. Klaus Fehrlage (Flüchtlingshilfe Oldenburg), Nils Padberg (Stabstelle Integration), Claudia Wronna (Agentur Ehrensache), Cornelia Roth, Claudia Jesse (beide Integrationslotsinnen), Jens Ilse (IBIS e.V.), Javed Rahimy (Neubürger)

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